Mit dem Rad nach Montenegro 08:
Šibenik – Split

Der Wecker klingelt um 6.00 Uhr, da wir dem drohenden Regen so spät wie möglich begegnen möchten. Am Plan steht Frühstück um 7.00 (Café mit Frühstück um die Ecke am Vortag recherchiert) … zum ersten und nicht letzten mal erfahren wir, dass “Öffnungszeit 7.00 Uhr” nicht das selbe bedeutet wie bei uns, sondern dass irgendwann ab 7.00 Uhr vielleicht jemand kommt, der dann das Lokal aufschließt und mit dem Arrangieren der Tische und Stühle beginnt. Also marschieren wir zur nächsten Pekara, wo wir zwar Süßkram, aber keinen Café bekommen – diesen trinken wir in einem Café, das ausschließlich Café aber nix zum Beißen offeriert. Egal, wir sind halbwegs gestärkt und starten die Etappe – erstmals mit Regenschutz über den Packtaschen.
Die Strecke nach Primošten – unserem ersten Zwischenstopp nach ca. 30km zwecks weiterer Café-Aufnahme – ist ungemein schön, nur leider trüben Wolken und leichtes Nieseln die Freude am Fahren und Fotografieren. Wir radeln durch das Eingangsportal der pittoresken Altstadt und besichtigen auf engen Fußgängerwegerln Zentrum und Küste – Prädikat sehenswert!
Unser nächster Stopp ca. 20 km vor Split dient der Nahrungsaufnahme via Supermarkt und gleichzeitig als Unterstellplatz. Dunkelste Wolken lassen bereits Übles erahnen. Erste dicke Tropfen fallen – wir warten, ziehen unser Regengewand drüber und beschließen bei der ersten Regenschutt-Entschärfung weiter nach Split zu fahren, um zumindest eine halbwegs attraktive Hotel-Chance zu ergattern. Es dauert nicht lange, da gießt es erneut in voller Wucht. Bald stehen alle Straßen zentimetertief unter Wasser, unsere Reifen schleudern enorme Wassermengen durch die Gegend und die Sicht wird immer düsterer – Auto-, LKW- und Busfahrer verhalten sich zum Glück extrem rücksichtsvoll – viele fahren ein ähnliches Tempo wie wir. Nach insgesamt einer guten Stunde extremer Anspannung und Konzentration – vor allem beim Lesen der wegweisenden Schilder – sind wir im Zentrum von Split angelangt. Fetznass setzen wir uns auf die überdachte Terrasse eines italienischen Restaurants, essen Pasta und warten – an sich haben wir die Etappe bis Omiš (noch ca. 28km) geplant. Wir kommen ins Gespräch mit Schweizer Leidgenossen, die eine “Rosstour” (Tour mit Pferden) im bergigen Hinterland von Split planen. Einer der beiden Guides zeigt mir auf seinem Handy die Wetterprognose der kommenden Tage und meint in sympathischem Schwyzerdütsch, dass wir es uns hier die nächsten Tage mal gemütlich machen sollen. Wir warten schließlich noch bis 16.00 Uhr, bevor wir im gegenüberliegenden “Apartmani” zwecks Übernachtung anfragen und bald darauf in eine entzückende Wohnung gebracht werden, wo der Frust über das frühzeitige Etappenende bald einem Gefühl der Richtigkeit weicht – nach intensiver Waschung und Aufhängung zwecks Trocknung aller Außenschichten freuen wir uns über eine Regenpause und starten eine ausgedehnte und überaus lohnende Besichtigungstour. Besonders die Gegend rund um den imposanten Diokletianspalast versprüht abends einen ungemein faszinierenden Flair – tolle Architektur und eine pulsierende Lokal-Szene bescheren uns am Ende des Tages doch noch wahre Glücksgefühle, selbst wenn ob der tristen Wetterprognosen erstmals leise Gedanken an ein frühzeitiges Tourende aufkommen.

Etappendaten: 90km – 510hm

GPS-Track der 8. Etappe

weiter zu Etappe 9

zurück zu Etappe 7

Perchtoldsdorf-Kotor Intro-Text/Übersicht