Taiwan – The Cycling Kingdom

Taiwan – The Cycling Kingdom

Taipeh – Hehuanshan – Eluanbi. Von Taiwans Hauptstadt,  über den höchsten Pass (3.275m) bis zum südlichsten Punkt der Insel. 11 Etappen durch ein wunderbar freundliches Land – heiß, feucht, aufregend und dennoch enorm genussreich.

Die wahren Highlights einer Taiwan-Radreise sind vorab wahrscheinlich schwer greifbar … sie kommen dann aber unterwegs – unerwartet und umso nachhaltiger.

Die „Ilha formosa“ (portugiesisch für „schöne Insel“) besticht weder durch die atemberaubendsten Berge noch durch die prächtigsten Küsten und Strände. Zwar zählt Taiwans zentrale Gebirgskette gut 200 Gipfel über 3.000m – die Baumgrenze liegt allerdings auch bei etwa 3.000m, was die meisten Gipfel und Kämme recht monoton grün in grün aussehen lässt. Die Küsten und Strände an der Ostküste sind oft einsam und schier endlos. Das Wasser ist je nach Lichteinfall dunkelblau bis grell türkis, der Sand bzw. die Pebbles eher dunkel. Durchaus ein schöner Anblick … aber für hohe Berge und türkises Meer müsste man definitiv nicht so weit reisen. Für uns steht jedenfalls schon vorab fest: es sind keineswegs die landschaftlichen Reize, die bei dieser Reise im Vordergrund stehen. Rückblickend lässt sich aus unserer Sicht festhalten:

  • MENSCHLICHKEIT
    Faszinierend
    in Taiwan ist die Art und Weise, wie man hier einander begegnet – offen, hilfsbereit, gastfreundlich, nie aufdringlich. Oft spürt man, wie es den Menschen Freude bereitet, anderen den Vortritt zu überlassen oder Fehler zu verzeihen, etwa im Straßenverkehr. Einladungen und Geschenke erfahren wir beinahe täglich, mal ist es ein wärmender Regenschutz, mal sind es Papayas in verschiedenen Reifegraden, mal eine Tasse Café frisch aus der Mokka-Kanne.
  • KULTUR
    Beeindruckend
    ist die hohe Dichte an offensichtlich historischen Tempelanlagen, die einem Tag für Tag den mystischen Flair eines zutiefst buddhistischen Landes vergegenwärtigen. Dazu sieht man früh morgens Menschen in Gärten oder neben der Straße ihre Tai-Chi-Übungen zelebrieren und schnuppert in den Städten regelmäßig den Duft qualmender Räucherstäbchen.
  • KULINARIK
    Hervorragend
    ist das sensationell vielfältige kulinarische Angebot der unzähligen kleinen Straßenküchen (auch vegetarisch), die einen Campingkocher auf jeden Fall überflüssig machen. Egal ob Frühstück, Mittagessen oder die Take-Away-Box für den Zeltplatz abends … fast jede Mahlzeit ist ein Highlight für sich. Für ein bis zwei Euro pro Person bekommt man meistens ein super leckeres Essen inkl. Reis.
  • FAUNA
    Aufregend bis unheimlich
    ist die uns doch fremde Tierwelt der tropischen Wälder mit tobenden Affen, riesen Spinnen und einer Menge bunter Schlangen, die wir zumindest nur plattgewalzt auf Straßen oder abgebildet auf Hinweistafeln entlang unserer Wege sehen. Umso erfreulicher: die Vielfalt farbenfroher Vögel und Schmetterlinge, die uns vor allem größenmäßig immer wieder in Staunen versetzt.
  • RADSPORT
    Wohltuend
    ist die allgemeine Begeisterung für den Radsport in Taiwan. Das Radwegenetz in den großen Städten ist beachtlich, die Seitenstreifen für Mopeds und Radfahrer auf den meisten breiteren Straßen ein Genuss. Taipeh versteht sich nicht umsonst als Cycling Kingdom und ist 2016 die Global Velo-City. Wir lernen auf unserer Reise, dass eine Umrundung der Insel per Rad zu den drei Dingen gehört, die man als Taiwaner einmal im Leben gemacht haben muss.

Radreise Taiwan 2015 - The Cycling Kingdom

Radreise Taiwan 2015 - The Cycling Kingdom - an der Ostküste

Radreise Taiwan 2015 - The Cycling Kingdom - Morgenstimmung an der Ostküste

Insgesamt waren wir 11 Tage (937km – 12.710hm) mit Rad und Zelt unterwegs und verbrachten vor dem Heimflug noch 3 Tage in Taipeh.
Unsere Route haben wir wenige Tage vor dem Start auf Grund der Wetterprognose ziemlich umgeplant. Anfangs wollten wir über den Yangmingshan National Park in den Norden und dann gleich weiter Richtung Ost-Küste. Zum Glück schenkten wir unserer Taiwan-Wetter-App Glauben und hielten uns die ersten Tage westwärts der zentralen Gebirgskette. Wir erfuhren später, dass es tatsächlich in dieser Zeit im Norden und Osten jeden Tag ordentlich geregnet hat. Die nächtlichen Überstunden auf www.bikemap.net für die neuen GPS-Tracks machten sich schlussendlich nicht nur mit trockenen Straßen und viel Sonnenschein bezahlt, sondern vor allem auch mit einer rückblickend enorm lohnenswerten Strecke durch das touristenarme Landesinnere Taiwans.

Unsere Route:

Radreise Taiwan 2015 - unsere Route