Dänemark im Herbst: Midtjylland-Nordtjylland Loop

Dänemark im Herbst: Midtjylland-Nordtjylland Loop

Dänemark 🇩🇰☀️statt Westalpen 🇮🇹 🌧️❄️ … wieder einmal haben wir 2 Tage vor Abreise spontan umgeplant und es nicht bereut. Ein stabiles Hoch quasi ohne Wind im Norden muss man eigentlich immer nutzen … es ist einfach nur wunderschön im Shelter-Bikepacking-Paradies Dänemark, wenn das Wetter mitspielt. Zwar war es die erste Stunde am Bike meist frostig (-1°), dafür waren wir entlang der prachtvollen, sehr naturnahen Nordseeküste (und auch an der weniger attraktiven Ostseeküste) nahezu allein unterwegs.

Flach Radfahren muss nicht unbedingt langweilig sein. Auch wenn es uns bei Radreisen meistens in bergige Regionen zieht, können wir dem Reiz des einfach nur entspannt dahin Pedalierens durchaus etwas abgewinnen. Und nachdem unsere bisherige Bike-Saison durchwegs sehr bergig war, entschieden wir uns Ende September leichten Herzens für eine flache Runde an den Küsten Dänemarks als spontane Alternative zur an sich geplanten Route in den Westalpen, die bei der feucht-kalten Wetterprognose absolut sinnlos gewesen wäre.

Das waren mitunter die perfektesten Tage, die ich je am Fahrrad erlebt hab.
(Zitat Peter nach Tag 5 – bezogen auf Atmosphäre/Stimmung, Genuss & Wohlfühlfaktor)

Video

Ein kurzes (3:59) Best-Of-Video unserer Reise ist auf YouTube:

Verliebt

Bereits 2016 – auf unserer Reise vom norwegischen Tromsø nach Perchtoldsdorf bei Wien (unserem damaligen Zuhause) hatten wir uns in die wunderbaren Landschaften entlang der dänischen Nordseeküste verliebt. Diesmal wollten wir bei einer Runde um die mittlere und nördliche Region Dänemarks (Midtjylland und Nordtjylland) auch die Ostseeküste kennenlernen, wohl ahnend, dass der 5er-Radweg im Osten nicht mit dem 1er Vestkystruten mithalten wird können.

Unser Auto ließen wir auf einem Parkplatz vor der Kirche in der kleinen Ortschaft Bredsten nahe der Autobahn auf der Höhe von Vejle. Tipp: Google Street View hilft bei der Vorab-Recherche hinsichtlich Parkplatz-Schilder … viele Parkplätze in Dänemark (v.a. in/um größere Städte) haben eine max. Parkdauer.

Dann mussten wir vor der Abfahrt nur noch eine wichtige Entscheidung treffen: in welche Richtung sollen wir unsere Runde fahren – gegen oder im Uhrzeigersinn? Zuerst Ost- dann Nordsee hätte den Vorteil, dass sich die landschaftlichen Highlights im Verlauf der Reise eher steigern würden. Nachdem aber die Wetterprognosen für die kommenden 5 Tage bereits mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Sonne und nur wenig Wind versprachen und wir schon zu oft erlebt hatten, wie schnell sich Langzeitprognosen ändern können, vertrauten wir nicht auf die uns überall prognostizierten 10 Sonnentage, sondern starteten „zur Sicherheit“ gleich westwärts Richtung landschaftlicher Highlights an der Nordessküste. Die umliegenden Shelter-Plätze hatten wir uns vorab in beiden Richtungen herausgesucht, sodass wir um 16:30 entspannt losfahren konnten, im Wissen, dass wir in 30 km einen netten Platz zum Übernachten finden werden.

Rückblickend war es die goldrichtige Entscheidung, da wir bis Skagen bzw. Grenen (das „dänische Nordkap“) strahlenden Sonnenschein hatten und es danach trüber wurde, sodass wir am Ende eher mehr Kilometer pro Tag und auf direktem Weg retour zum Auto gefahren sind, um einen Tag einzusparen. Und genau 1 Woche, nachdem wir in Skagen waren, verhieß dort die Prognse >20mm Niederschlag und rote Sturmwarnung (63-127 km/h) – also nochmals unser Tipp: ein stabiles Hoch im Herbst unbedingt nutzen, um den Norden Dänemarks zu genießen.

Unsere Route

858 km / 2.990 hm

Unsere Highlights (einige davon herbstspezifisch)

  • Die Touristensaison ist Ende September so gut wie vorbei. Die Radwege hatten wir großteils für uns allein. Und abends am Shelter-Platz trafen wir nur einmal andere Bikepacker.
  • Die tiefstehende Sonne spendiert zu dieser Jahreszeit von früh bis spät kräftig leuchtende Farben = gutes Foto-Licht.
  • Sternenklare, kalte Nächte bei Lagerfeuer verzaubern uns nach wie vor. Wenn die Sonne untergeht, wird es im herbstlichen Dänemark sehr schnell frisch, dann spendet das Feuer auch wohlige Wärme.
  • Auch wenn es früh morgens eisig kalt war, erlebten wir die ersten Kilometer bei Sonnenaufgang jedes Mal als etwas Besonderes. Raureif und dünne Nebelschleier verstärkten oft die Mystik der Landschaft
  • Landschaftliche Attraktionen gibt es unzählige: weite Dünen … kreidefelsige Steilküsten … märchenhafte Wälder voller Pilze, Flechten und Moose … rosa-violette Heideflächen … kilometerlange Sandstrände, teilweise so festgepresst, dass man sie als Straße nutzen kann … knallrote Wildrosen-Hagebutten und üppigst tragende Sanddornbüsche, von denen saure orange Vitaminbomben leuchten, oft so weit das Auge reicht …
  • Skagen bzw. Grenen: hier treffen sich auf einer schmalen, sandigen Strandzunge 2 Meere (Nordsee/Ostsee) … es klingt abgedroschen, aber es ist ein magischer Ort – man empfindet es wahrscheinlich nur, wenn man dort selbst steht und das Schauspiel der aneinander klatschenden Wellen betrachtet  
  • Die Infrastruktur für Radfahrer und Radreisende: großartige, alles andere als langweilige Radwege … hunderte Naturlager-/Shelter-Plätze, meist mit mehreren überdachten Holzkojen, Trinkwasser-Brunnen, Feuerstellen und Toiletten … und in einigen Supermärkten findet man Weinflaschen mit einem Fahrrad am Etikett und als Prägung 😉  
  • Die Architektur am Land: malerische Reetdachhäuser, wunderschöne alte Kirchen, ästhetische moderne Strandhäuser (aus Holz), leuchtende Backsteinhäuser, Leuchttürme, …
  • Die größeren Städte an der Ostsee-Küste (Frederikshavn, Aarhus, Vejle) faszinieren durch Architektur und Lebendigkeit – ein ziemlicher Kontrast zur naturnahen Einsamkeit
  • Dazu jede Menge schöner Motive unterwegs …
  • Vögel, Vögel, Vögel … oft in faszinierenden Schwarm-Formationen
  • Die winzigen Bauernläden mit dänischer Flagge, an denen meist nur ein Produkt verkauft wird: Kartoffel, Zucchini, Honig, Blumen, Brennholz, Keramik, …
  • Menschliche Begegnungen hatten wir wenige – meist nur beim Einkaufen. Freundlich und meist mit einem ehrlichen Lächeln wurden uns überall, wo man nicht selbst zugreifen kann, Brot und Backwaren gereicht. Apropos Backwaren:
  • Die dänischen Bäckereien spielen definitiv in einer eigenen Liga. Wir bekamen die saftigsten Kanelsnurrer (Zimtschnecken) mit einer unglaublichen Butter-Zimt-Dichte, verfeinert mit Kardamom. Aber auch die sündhaft guten Skagens-Hörnchen (gefüllt mit Marzipan) haben es uns angetan.    
  • Stimmungsvolle Sonnenauf- und Untergänge …

Unsere Route

858 km / 2.990 hm

Etappen auf Strava:

Etappe 01 1:29:51 28,79 km 115 m
Etappe 02 7:09:24 135,38 km 218 m
Etappe 03 5:21:55 100,12 km 226 m
Etappe 04 5:49:36 103,90 km 313 m
Etappe 05 5:40:42 93,37 km 315 m
Etappe 06 5:18:11 89,36 km 163 m
Etappe 07 6:44:40 126,35 km 534 m
Etappe 08 6:40:56 119,31 km 949 m
Etappe 09 3:39:41 63,47 km 606 m