Eine 5-tägige Bikepacking-Tour (524 km/13.946 hm) von daheim weg (AT/Drautal) durch die benachbarten Regionen Friaul und Venetien … so gut/sinnvoll wie möglich stets auf der ersten Bergkette zwischen der weiten norditalienischen Tiefebene Richtung Adria im Süden und den immer höher werdenden Alpen im Norden … zwischen den großen Flüssen Tagliamento und Etsch … mit Übernachtungen auf Hütten/Albergos, also ohne Zelt und Kocher, dafür täglich mit langen Etappen und sehr vielen Höhenmetern über oft wilde Steilrampen, teils extrem holprige, insgesamt aber wunderbare Gravel-Pisten und über einige großartige, ab und zu abenteuerliche Singletrails.
Die Tour hatte ich (Peter) eigentlich schon lange „auf Vorrat“ geplant, wetter- oder zeitbedingt aber immer wieder verschoben. Auch diesmal sah im Juli die Wetterprognose alles andere als optimal aus, aber ich wollte nicht wieder um ein Jahr verschieben, also startete ich an einem Mittwoch Ende Juli mein Solo-Projekt „Friuli & Veneto Divide“.





Die Route

GESAMT: 524 km / 13.946 hm
Mein ursprünglicher Plan waren 5 Etappen mit jeweils mind. 3.000 Höhenmetern und ca. 7-8 Stunden reiner Fahrzeit. Die Quartiere hatte ich dementsprechend vorab ausgewählt, 2 Tage vor Abreise reserviert und die GPS-Tracks nochmals angepasst, da z.B. das Rifugio Granezza südlich von Asiago keinen Platz mehr von Samstag auf Sonntag hatte. In den beiden anderen Hütten (Rifugio città di Vittorio Veneto und Malga Mariech) war ich interessanter Weise trotz der Jahreszeit (Ende Juli/Anfang August) der einzige Übernachtungs-Gast … vielleicht auch wetterbedingt. Auf der Malga Cuar (1. Nacht) hatte ich telefonisch nicht gleich jemanden erreicht und darauf ein anderes Quartier in der kleinen netten Ortschaft Anduins 900 Höhenmeter unterhalb der Alm gebucht (Albergo Alla Posta).
Wer genügend Zeit hat, sollte auf jeden Fall die großartigen Gravel-Pisten des Lessinia-Naturparks nördlich von Verona in die Tour miteinbeziehen. Ich bin diese bereits zweimal gefahren (1x Gravel, 1x MTB) und habe sie diesmal bewusst ausgelassen.
Insgesamt bietet meine Tour einen bunten, teilweise etwas abenteuerlichen Mix aus extrem langen, großteils komplett einsamen Schotterpisten, verkehrsarmen schmalen Asphaltstraßen und einigen technischen (großteils fahrbaren) Singletrail-Passagen. Die Route führt sowohl durch gespenstische Wälder als auch über weite, kahle Bergrücken.






Das Wetter …
Mit Ausnahme der 4. Etappe hatte ich jeden Morgen brav Sonnecreme geschmiert – und das war auch wichtig, denn zumindest für einige Stunden brannte die kräftige Sonne ordentlich herunter. Insgesamt war die Wetterlage aber extrem durchwachsen. Etwas Regen hatte ich jeden Tag zumindest einmal kurz. Am 1. Tag nach dem Mittagessen am Weg von Paularo nach Tolmezzo … nach der langen Abfahrt vom Passo Polentin (super Offroad-Grenzübergang Österreich – Italien in den Karnischen Alpen) … das Schlimmste wartete ich in einer überdachten Busstation ab.


Am 2. Tag erwischte mich ein kräftiger Regenschenschauer genau am letzten Kilometer hinauf zum 1.540 m hoch gelegenen Rifugio città di Vittorio Veneto. Nachdem ich zu faul war die Regenmontur überzustreifen, war ich beim Betreten der Hütte fetznass. Über Nacht bzw. kurz zuvor in der durchblinzelnden Abendsonne im Freien trocknete das Gewand aber wieder halbwegs gut.


Am 4. Tag verhinderte leider eine heftige Ganztages-Gewitterfront die Überquerung des Monte Grappa und reduzierte die Gesamt-Höhenmeter der Tour um ca. 2.000. Für ca. 4 Stunden ging es im kräftigen Dauerregen sowie bei Blitz & Donner über wasserüberflutete Straßen rund um Bassano del Grappa auf einer Alternativ-Route nach Velo/Lusiana zum gebuchten Quartier (Locanda Alla Rosa), in dem ich zum Glück schon vor 14 Uhr einchecken konnte.



Dafür hatte ich am Vortag (3. Etappe) richtig Glück mit dem Starkregen-Beginn genau am Ende der langen Passage über den Monte Cimone mit der abenteuerlichen Singletrail-Abfahrt hinunter Richtung Passo San Boldo. Genau dort, wo mein Track die San Boldo-Straße kreuzt (in Signa) befindet sich eine überdachte Busstation, in der ich über 1 Stunde den heftigen Regen trocken aussitzen konnte. Ich überlegte hier schon etwas verzweifelt eine asphaltierte Alternativ-Route über den Passo San Boldo, fuhr auch schon hinauf zum Pass (wo ich in der geöffneten Bar einen Caffè trank und die Wasserflaschen füllte), entschied mich aber nach einem Telefonat mit Hana, die mir Mut zusprach, doch nochmals um, nachdem auch plötzlich wieder ein wenig blauer Himmel im Norden rund um Belluno zu sehen war, während es weiter südlich stockfinster war. Eine glückliche Entscheidung, denn am langen (22 km – nur die ersten 4 km Asphalt), richtig harten Offroad-Anstieg hinauf zur Malga Mariech schien zum Glück wieder die Sonne … über die landschaftlich großartigen Almen- und Wanderwege rund um Monte Canidi, Monte Crep und Monte Cimon/Posa Puner.











Verpflegung
Es gibt einige Brunnen und Quellen – teilweise mit „acqua non potabile“ versehen (kein Trinkwasser), aber insgesamt ist die Wasserversorgung mit etwas Vorausschau gut planbar, ebenso die Einkehr-Optionen in zahlreichen Bars und auf den Malgas (Almen), zumindest im Sommer. In Erinnerung bleiben mir (positiv gemeint 😅) neben köstlichen Gnocchi-Gerichten und unzähligen Caffè Lungos vor allem die aromatisch-deftige Zuppa di Cipolle (Zwiebelsuppe mit reichlich Käse) im Rifugio città di Vittorio Veneto sowie der saftige Spiedo auf der Malga Mariech.










Anmerkungen + Setup
Es können auf der Route stellenweise Hinweis-Schilder „Accesso vietato“ (Betreten verboten) hängen … diese habe ich alle mangels möglicher „Umleitungen“ ignoriert und hatte dabei auch nie Probleme, weil weit und breit sowieso niemand war. Die allermeisten Verbotsschilder auf Gravel-Pisten unterwegs gelten für den motorisierten Verkehr und nicht für Wanderer und Radfahrer. Möglich ist es natürlich (wie überall in Wäldern, wilden Schluchten und Bergen), dass Wege durch Forstarbeiten, Vermurungen, etc. auf einmal nicht passierbar sind – ein wenig Glück gehört auf jeden Fall dazu, dass man bei einer so langen, individuellen Tour jeden geplanten Weg vor Ort auch tatsächlich befahren wird können.
Eine Backup-Strategie (Plan-B-Routen am GPS), stets genügend Not-Proviant, trockene Kleidung und ein Biwak-Sack sind für mich das Minimum für eine seriöse Durchführung derartiger Touren.
Mein Gesamt-Gewicht Bike + Taschen + 2 gefüllte Trinkflaschen waren ca. 22 kg. Leichter/spartanischer geht es natürlich immer … aber mir sind etwas Reserven (Essen/Trinken/Kleidung) und ein Minimum an Komfort abends in der Hütte oder im Albergo wichtiger als vielleicht 30 Minuten pro Tag schneller am Ziel zu sein. Dass ein Weg (steil bergauf) oder technische Passagen unfahrbar sind, weil das Bike 3-4 kg mehr wiegt, ist nicht richtig. Über Fahren oder Schieben bergauf im technischen Gelände entscheiden die Reifen (Dimension/Luftdruck), die Über- bzw. Untersetzung (bei mir 1-fach: 38 vorne – 10/52 hinten) sowie Kraft und Technik … aber sicher nicht ein paar Kilo mehr oder weniger am Bikepacking-Rad. Ich musste jedenfalls mit meinem Setup das Profil meiner Bike-Schuhe auf dieser Tour nur sehr wenig strapazieren 😉



Highlights der Tour
- Malga Cuar (20 km Gravel-Anstieg)
- Sentiero Frassati (5 km Singletrail)
- Piancavallo Bergkette (12 km Gravel + Singletrails)
- Rifugio città di Vittorio Veneto (Aussicht, Übernachtung + Essen)
- Pian delle Femene / Monte Cimone (11 km Gravel + Singletrails)
- Anstieg zur Malga Mariech mit Malga/Monte Canidi, Monte Crep und Monte Cimon/Posa Puner (18 km Gravel + Singletrails)
- Pizzegoro – Giazza (18 km Offroad mit 5 km Sentiero Francesco Milani Singletrail)
- und einige abenteuerliche Passagen zwischendurch …


























Allora … viel Spaß beim Nachfahren und genießt die tolle Gegend mit ihrer Fülle an landschaftlichen, kulturellen und kulinarischen Reizen!
Die Route
GESAMT: 524 km / 13.946 hm
Etappen auf Strava:
Etappe 1 (8:22:55 138,88 km 3.156 m)
Etappe 2 (7:44:34 101,46 km 3.055 m)
Etappe 3 (7:40:26 80,16 km 3.183 m)
Etappe 4 (4:02:48 81,45 km 1.237 m … starkregen-/gewitterbedingt verkürzt)
Etappe 5 (8:50:41 122,51 km 3.315 m)










