Norway Divide 🇳🇴 (bergig)

Norway Divide 🇳🇴 (bergig)

38 Etappen über 3.450 km und 44.030 hm waren wir Ende Juni bis Anfang August quer durch Norwegen unterwegs – vom südlichsten Punkt Norwegens (Lindesnes) bis zum Nordkapp, auf einer bis Bodø sehr einsamen Route über traumhafte Gravel-Pisten durch die unvorstellbar weiten Fjell-Landschaften Süd-Norwegens und das bergige Grenzgebiet zu Schweden nördlich von Trondheim.

Es waren ungemein intensive und wunderschöne Tage in einem Land, in das wir uns bereits vor 10 Jahren verliebt hatten. Während es in ganz Mitteleuraopa einen der, wenn nicht den heißesten Sommer aller Zeiten gab, froren wir vor allem die ersten Wochen in den Bergen und am Ende im hohen Norden unerwartet oft. Dafür hatten wir die ersten 4 Wochen kaum Regen und meistens sehr gute Sicht – das Positive am eisigen Nord-West-Wind, der uns oft Daunenjacken vor dem Zelt und Mützen/Tücher unter dem Radhelm während der Fahrt aufzwängte.

Ein ausführlicher Bericht wird hoffentlich irgendwann folgen, wenn wir die zahlreichen Fotos und Videos in Ruhe gesichtet und sortiert haben werden. Bis dahin gibt es auch hier nur ein paar wenige Notizen und Bilder, die wir während unserer Reise auf Instagram 3x gepostet hatten … denn gefühlt bestand unserer Reise aus 3 Teilen:

1: Lindesnes – Trondheim

Vom südlichsten Punkt Norwegens (Lindesnes) über die unvorstellbar weiten Hochebenen Süd-Norwegens mit 1.300 km und knapp 20.000 Höhenmetern von Fjell zu Fjell bis nach Trondheim. Mit viel Sonne, aber auch 2 Tagen eisigem 50–60 km/h Nord-/Gegenwind und Eis am Zelt in der Früh.
Highlight war die komplett einsame 60-km-Fjell-Querung im Gebiet des Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalparks zwischen Folldal und Oppdal bei Traumwetter (keine ausgeschilderte Radroute, Weg gesperrt für motorisierten Verkehr inkl. E-Bikes) …

2: Trondheim – Bodø

Über das einsame Grenzgebiet Norwegen/Schweden bis Bodø, das wir nach 26 Tagen, 2.319 km und 31.724 hm erreicht haben. Die letzten Tage waren wieder sehr abwechslungsreich und intensiv, vor allem die heftige Kälte hat uns doch etwas überrascht, vor 10 Jahren hatten wir es hier deutlich wärmer. Highlights waren das Stekenjokk, die weiten und einsamen, mystischen Straßen des Sagavägen und Villmarksvegen sowie die Etappe über das letzte große Fjell bei frostigen –2 Grad über gut 50 km … mit Überquerung des Polarkreises/Arctic Circle im Early-Bird-Modus (1:45-Wecker und um 5:30 vollkommen alleine an dieser Touristenattraktion, sogar bei etwas Sonne).

Abseits des EuroVelo (Trondheim/Steinkjer und Saltstraumen/Bodø) trafen wir die ca. 9 Tage nur einen einzigen Radreisenden (in die Gegenrichtung). Und auch sonst waren wir oft stundenlang gefühlt vollkommen allein unterwegs.

Zweimal hatten wir auf diesem Abschnitt einen guten Riecher bei der Routenplanung und fanden wunderbare, teils abenteuerliche Strecken, die via Komoot nicht planbar sind, aber bei genauerer Recherche (Satellitenbild, norwegische Landeskarte, Strava Heatmap) einen Weg vermuten ließen. Dadurch ersparten wir uns u. a. einen mühsamen Abschnitt auf der stark befahrenen E6 nördlich von Steinkjer bzw. Snåsa.

Dafür landeten wir auch einmal in einer Sackgasse, als der geplante 15-km-Verbindungsweg (via Komoot „planbar“) zwischen 2 Schotterpisten zur Querung des Marsfjället sich vor Ort als reiner Winterweg (Skidoo) entpuppte, der im Sommer zugewachsen und tief sumpfig ist (selbst Bike-Schieben unmöglich). Für uns bedeutete das in Folge einen – zumindest landschaftlich reizvollen – 140-km-Umweg.

3: Bodø – Nordkapp

Ein abrupter Wechsel aus den einsamen Bergregionen an die belebte Küste auf den ab hier unausweichlichen EuroVelo 1 … aber zweifelsohne eine traumhaft schöne Gegend mit atemberaubenden Ausblicken, faszinierenden Farben und unvergesslichen Erlebnissen. Je höher in den Norden man kommt, desto alltäglicher werden Begegnungen mit Rentieren – erst in kleinen Gruppen, später in großen Herden. Highlight war auch eine Wal-Sichtung direkt aus dem Fenster einer Camping-Hütte an der Küste, als wir um 2 Uhr morgens bei unserem Kaiserschmarrn-Frühstück saßen und unseren Augen nicht trauten. Überhaupt nutzen wir auf unseren letzten Etappen die frühen Morgenstunden, um weiterhin großteils alleine und ohne Verkehr unterwegs zu sein … Für die Tage an der ab ca. 10 Uhr stark befahrenen E6 und später E69, vor allem auch im knapp 7 km langen Nordkapp-Tunnel (212 m unter dem Meer) und natürlich am Ende die letzten Kilometer zum Nordkapp, läutete unser Wecker meist um 1 Uhr morgens … und es hat sich immer gelohnt …Und am Ende? Mutterseelenallein am Nordkapp bei Sonne und null Wind … Nach zuletzt kalt-nassen und stürmischen Tagen hatten wir auf unserer 38. und letzten Etappe ein perfektes Finale unserer 3.450 km / 44.030 hm Norwegen-Durchquerung.

GESAMT: 3.450 km / 44.030 hm