Projekt 500/24

Projekt 500/24

500 km an einem Tag Radfahren? Self-supported auf einer Runde quasi von daheim weg … also bergig … und die Auswahl an „sinnvollen“ Routen (Höhenmeter/Verkehr/schneller Asphalt) etwas begrenzt … das Ganze mit Gravel-Bikes (32er Straßenreifen) und leichtem Gepäck: neben etwas Verpflegung, Werkzeug und 1. Hilfe vor allem warme Kleidung für die Nacht, wenn es über Stunden hinweg nicht viel mehr als 5-8° haben wird und wir nicht mehr ganz taufrisch beziehungsweise gerade weil wir taufrisch = feucht vom nächtlichen Tau sein werden

Lange haben wir überlegt, geplant, wieder verworfen, gezweifelt, neu geplant, verfeinert, beschlossen, vorbereitet, … und die letzten Wochen täglich alle möglichen Wettervorhersagen studiert. Denn eines war von Beginn an klar: bei Regen oder extremem Wind werden wir gar nicht erst starten.

Terminlich hatten wir vier Optionen/Wochenenden “frei“ – bei der vorletzten (13./14. Juni) haben wir beschlossen es zu versuchen. Die Windprognose war zwar nicht optimal, aber immerhin sollte es keinen Regen und auch keine extreme Hitze geben.

Die Strecke hatten wir vorab besonders detailliert geplant:

  • wann wir wo sein wollen, um auf gut asphaltierten Radwegen allein zu sein (Lienz-Toblach und der Alpe-Adria-Radweg können zu Stoßzeiten zu echten Schnittbrechern werden)
  • welche Bundesstraßen (AT) und Strade Statale (IT) wir zu welchen Uhrzeiten ohne viel Verkehr angenehm fahren können (also in der Nacht und zeitig in der Früh)
  • wo wir möglichst wenig Zick-Zack = Stop & Go haben
  • wie wir die Runde legen, um nicht in der Nacht am höchsten Punkt zu sein (Kälte!)

Was wir keinesfalls wollten: uns stundenlang auf dicht befahrenen Straßen über andere Verkehrsteilnehmer:innen ärgern, die viel zu knapp und schnell überholen … auch wenn das immer auf Kosten der flottesten Route geht.

Jede enge Kurve, jeder holprige Straßenbelag, jeder gut besuchte Radweg, jede unübersichtige Kreuzung, jedes Stopp- oder Vorrang-geben-Schild, jede rote Ampel und jeder geschlossene Bahnschranken kosten Zeit – und auf 500 km summiert sich das ganz schön. 

Auch die optimalen Verpflegungspunkte (inkl. Öffnungszeiten) haben wir im Vorfeld genau recherchiert: Supermärkte, Bäckereien, Bars, Pizza-/Imbiss-Buden, 24h-Läden (für die Nacht), Trinkwasserbrunnen, … und als Wegpunkte auf Komoot gespeichert, damit wir sie auf unserem Garmin Edge 1040 während der Fahrt inkl. aktueller Entfernung angezeigt bekommen. Eigenen Proviant hatten wir am Vortag auch ein wenig gerichtet, da es definitiv weniger Zeit kostet, eigenes „gutes“ Essen = etwas Mehrgewicht mitzuführen, als irgendwo einzukehren oder einzukaufen. Wir packten für jeden 2 kleine Portionen Gemüsereis in Plastiksackerl sowie 3 schmale Käse-Weckerl (für Rahmen und Trikot-Tasche), um unsere Essensbesorgungszeiten unterwegs zu reduzieren. Dazu ein paar Gels, für jeden 8x Getränkepulver zum Nachfüllen und etwas Dattelpaste mit Erdnüssen. Eingekehrt sind und Einkaufen waren wir natürlich trotzdem einige Male.

20 h mit 25 Schnitt + 4 h Pause – das sollte sich ausgehen …

… war von Beginn an unsere These. In einem Excel notierten wir einzelne Streckenabschnitte mit km, Fahrzeit und Schnitt sowie die Pausenorte mit der jeweiligen Zeit zum Rasten. Und ja, am Papier sah es schon einmal durchaus realistisch aus.

Man fährt einfach weiter …

Und dann ging es los – um 6:05 Uhr morgens rollten wir am Samstag in Tristach bei Lienz los … und kamen am Sonntag um 5:42 Uhr nach 501 km wieder gut zurück … ohne große Erschöpfung oder Schmerzen, ohne Defekt oder Sturz, ohne lange Umleitungen oder Verfahrer, mit nur einem energetischen Tief zwischendurch kurz vor San Daniele (km 280): die ersten ca. 200 km kämpften wir gegen teils sehr heftigen Gegenwind (v.a. Cadore-Tal bis Vittorio Veneto) … der erhoffte Rückenwind ab dem südlichsten Punkt blieb dann jedoch aus, da der Wind für einige Zeit auf Nordost drehte. Zum Glück ist Vieles im Ausdauersport auch Kopfsache und mit unserem Wissen, dass nach 1-2 Stunden die Welt wieder ganz anders aussehen kann, wenn der Körper intern umgestellt hat und die Temperaturen fallen, fährt man einfach weiter in Situationen, in denen man sonst nie und nimmer aufs Rad steigen würde. Man isst eine Banane, zuzelt ein Gel, trinkt dazu ein paar Schluck Wasser und fährt einfach weiter. Und irgendwann kommt man in einen anderen Modus und spürt, wie die Kraft und die Freude am Unterwegssein langsam wieder zurückkommen … vor allem wenn es nach einem schönen Sonnenuntergang hinein in die Nacht geht. Für uns ist es nach wie vor immer noch etwas ganz Besonderes, im Dunklen nahezu allein mit den Rädern unterwegs zu sein – faszinierend und aufregend zugleich.

Vielleicht wird es irgendwann einen kurzen Film zu diesem Projekt geben (je nach Zeit im Herbst/Winter) – wir hatten jedenfalls die GoPro mit dabei und zwischendurch immer wieder ein wenig gefilmt. Bis dahin gibt es hier einmal die Strecke auf Komoot sowie die Aktivität auf Strava.

GESAMT: 501 km / 3.605 hm