Radreise Apulien/Salento & Basilikata – Teil 1

Radreise Apulien/Salento & Basilikata – Teil 1

Eine 1.000 km Rundreise durch Apulien und die Grenzregion zur benachbarten Basilikata mit Fokus auf den Salento sowie auf die bergig-hügeligen Regionen der „Calanchi“ und der „Piccole Dolomiti lucane“ sowie die Hochebene der (Alta) Murgia. Ohne Zelt, dafür mit umso mehr kulinarischen Genüssen.

Imposante, geschichtsträchtige Städte und (Berg-)Dörfer gibt es hier in einer unglaublichen Dichte – die bekanntesten Städte entlang unserer Route sind Lecce (das kulturelle und v.a. kulinarischen Zentrum des Salento), Alberobello (Zentrum der Trulli) und Matera (europäische Kulturhauptstadt 2019).

Aber auch weniger bekannte Städte wie Gravina in Puglia (James Bond Drehort), Altamura („die Löwin Apuliens“) oder das Keramik-Zentrum Grottaglie sind definitiv einen längeren Besuch wert. Eine der, wenn nicht die bekannteste Straße der Antike, die Via Appia, führt uns durch Städte wie Oria, Tarent oder das bereits erwähnte Gravina und verleiht der Gegend zusätzlich historisches Flair.

Eine Fernroute der anderen Art – und damit kommen wir zum Thema Bikepacking/Radreisen – ist die „Ciclovia dell’Acquedotto Pugliese„, eine etwa 500 km Radroute, die dem Verlauf zweier historischer Aquädukt-Leitungen folgt.

Einen Teil dieser Ciclovia hatten wir zu Beginn unserer Reise eingeplant, mussten/wollten aber auf Grund starker Regenfälle am Tag unserer Anreise die Route komplett auf asphaltierte Straßen umplanen. Sämtliche Straßen, Wege und Felder waren am ersten Tag unserer Reise noch mit riesigen Pfützen übersät und dort, wo der Untergrund erdig oder gar lehmig ist, war an ein Fahren bzw. Durchkommen nicht zu denken. Selbst am an sich asphaltierten „Eurovelo 5“ kurz nach Palazzo San Gervasio mussten wir abbrechen und umplanen, da die Straße – zentimeterdick von Erde und Schlamm der umliegenden Felder bedeckt – für uns nicht sinnvoll passierbar war. Eine etwa 20-minütige Bike-Wäsche an einem Straßen-Brunnen war die Folge von ca. 200 Meter durch immer tiefer werdenden und bald Reifen, Rahmen, Taschen, Bremsen und Antrieb bedeckenden Matsch. Kurz darauf – in Altamura – mussten wir etwa 20 Minuten einen Starkregen abwarten, der in Folge sämtliche Straßen (mangels Kanalsystems) knöcheltief unter Wasser setzte.

Als Reiseformat wählten wir wie bereits bei unserer Traversata d‘Italia 2022 und unserer Travesía de España 2021 unser persönliches „Luxus-Modell“: Mo-Fr Homeoffice in einem Apartment und Fr-Mo Unterwegssein/Radreisen. Ursprünglich planten wir unsere Radreise-Etappen mit Zelt, loteten im Vorfeld auch bereits einige „wilde“ Zeltplätze aus, entschieden uns dann aber kurz vor Abreise doch für den Komfort ausschließlich vorab gebuchter Quartiere. Einerseits gibt es um diese Jahreszeit unzählige günstige (ab € 50,-/Nacht für 2 Pers.) und auch attraktive B&B, Apartments, Hotels und vor allem Agriturismi, andererseits ist der Mehrwert abendlicher Erkundungstouren durch malerische Etappenorte sowie kulinarischer Genüsse in Quartieren mit Restaurant-Betrieb in dieser Gegend Italiens um so viel größer, als irgendwo den Abend/die Nacht allein/zu zweit im Zelt zu liegen und nur den Geräuschen der Natur zu lauschen. Und wahrscheinlich waren wir durch unsere Dänemark-Reise kurz zuvor ohnehin noch gut gesättigt hinsichtlich 24h purem Natur-Genuss.

Unsere Route

1.001 km / 10.260 hm

Video

Ein kurzes (2:31) Best-Of-Video unserer Reise ist auf YouTube:

Start – Etappe 1

Wir starten unseren Giro di Puglia beim Agriturismo Moschella etwa 50 km südlich von Foggia. Den wunderschönen Gargano – den Sporn Italiens – hatten wir bereits 2019 mit dem Rad erkundet, ansonsten „müsste“ man eine Apulien-Rundreise natürlich weiter im Norden beginnen. Dass wir unser Auto beim Agriturismo für ca. 2 Wochen parken dürfen (gegen eine kleine Gebühr), hatten wir im Vorfeld geklärt.

Wir sind an unserem Anreisetag (Freitag) die einzigen Gäste und bekommen abends im Restaurant (19:30) dennoch ein feines, mehrgängiges Essen serviert (vegetarisch ist kein Problem). Und auch beim herzhaften Frühstück (ab 8:30) gibt es köstliche Produkte aus eigener Produktion bzw. Käse vom Nachbarn.

Relativ spät (9:40) starten wir dann bei trübem, wolkenbedecktem Himmel unsere 1. Etappe. Ursprünglich wollten wir nördlich des Parco nazionale dell’Alta Murgia  über die Ciclovia dell’Acquedotto Pugliese südostwärts ziehen – jetzt rollen wir südlich des Nationalparks entlang der Grenze Apulien-Basilikata auf unserer gestern spontan zusammengeklickten Alternativ-Route Richtung Etappenziel beim Agriturismo Fasano inmitten des hohen, felsigen Landes zwischen Bari und Matera (Murgia Barese).

Die ersten 35 km führen relativ unspektakulär über einsame Landstraßen nach Palazzo San Gervasio. Dennoch freuen wir uns, wie immer zu Beginn einer Reise, alleine darüber wieder unterwegs zu sein … über Bewegung, frische Luft und andere Perspektiven und Motive als daheim.

Nach dem ersten Negativ-Highlight (bereits erwähnte Matsch-Passage am Eurovelo 5 mit Umplanung/Umweg und längerer Bike-Wäsche) sinkt zwar unsere Motivation etwas, aber ein kurzes Sonnenfenster am etwas längeren Anstieg vom Lago di Serra di Corvo nach Gravina in Puglia stimmt uns bald wieder versöhnlich. Was heute auffällt sind die zahlreichen Fahrverbotsschilder „Eccetto frontisti“ (ausgenommen Anwohner), die ganz plötzlich nach einer Straßenkreuzung am Wegesrand unserer SP (Strada Provinciale) positioniert sind. Mangels Umleitungen/sinnvollen Alternativen für Radfahrer ignorieren wir sie entsprechend. Ob diese aus Sicherheitsgründen wegen der teilweise extrem schlechten, holprig-rissigen Asphalt-Oberflächen aufgestellt werden oder aus anderen Gründen, können wir nicht eruieren.

In Gravina in Puglia (km 90) besichtigen wir das Zentrum und werfen einen Blick auf einen der Drehorte des letzten James Bond-Films „Keine Zeit zu sterben“, bevor wir uns in einer Bar mit Caffè und einem ersten Pasticiotto stärken.

Am Weg nach Altamura sichten wir bereits eine bedrohlich dunkle Wolke über der Stadt. Kurz darauf suchen wir Schutz vor dem ergiebigen Regenguss unter dem Eingang einer Wohnhaus-Anlage. Als wir (auch uhrzeitbedingt) so bald wie möglich wieder weiterfahren, staunen wir nicht schlecht über die Wassermassen, die uns über die abfallenden Straßen der hügeligen Stadt entgegenströmen. Sämtliche Autos rollen extrem rücksichtsvoll an uns vorbei – erst bei höherem Tempo spritzen mächtige Fontänen in alle Richtungen. Übrigens schaffte es Altamura ( „die Löwin Apuliens“ – berüchtigt für den Widerstand der Bevölkerung) sogar McDonald’s in die Knie zu zwingen – s. „Bäcker besiegt McDonald’s“ auf derStandard.at.

Zum Glück führen uns die letzten 20 km sehr einsam zu unserem Etappenziel – dem Agriturismo Fasano, der neben seinem Restaurant stolze 30 Zimmer offeriert und auf seiner Website die eigene Lage wie folgt beschreibt: „ … der im Herzen der Murgia Barese, an der Grenze zwischen der östlichen Murgia und der unteren Murgia, in der Nähe des Parks Alta Murgia liegt. Wir befinden uns in Cassano delle Murge, in der Nähe von jahrhundertealten Wäldern und unweit des großen Waldes von Mercadante, unberührten Orten, an denen klare, gesunde Luft und Ruhe herrschen.“ Darüber, dass das Restaurant heute Abend geschlossen hat, wurden wir bereits bei unserer Buchung informiert mit dem Zusatz, dass wir im benachbarten Agriturismo Amicizia für das Abend-Menü reservieren können, was wir natürlich gemacht haben. Kurz nach 19:00 Uhr sitzen wir bereits im gemütlichen (Kaminfeuer!) Speisesaal und beobachten, wie sich der Raum mit sehr gemischtem Publikum (Alter, Kleidung, …) füllt. Das Menü haben wir bereits im Vorfeld via WhatsApp bei der Reservierung erhalten (€ 35,- p.P. inkl. Wein/Wasser/Kaffee). Trotzdem staunen wir, dass es bei den zahlreichen Antipasti keine Auswahl, sondern einfach von allem etwas wird … sodass wir nach dem Primo Piatto (sensationelle Pasta mit vielen Gewürzen, Peperoncino, Nüssen und Käse) bereits relativ satt sind und Hana das Angebot ablehnen muss, den zweiten Hauptgang (Fleisch mit Bratkartoffel) vegetarisch gegen einen gebratenen Käse zu tauschen. Großartig auch die Möglichkeit die weiteren Wünsche (Secondo, Dolce, Caffè) jederzeit kommunizieren zu können, um z.B. nur eine winzige Kostprobe (wie Peters „Secondo Piatto“) serviert zu bekommen, wenn man keinen Hunger mehr hat. Alles in allem ein langer (Antipasti serviert um 20:20 Uhr, Dolce um 21:44 Uhr), aber kurzweiliger und überaus genussvoller Abend.

Etappe 2

Die heutige Etappe steht ganz im Zeichen einer Attraktion: der bekannten Trulli, jener steinernen Rundhäuser mit spitz zulaufendem Dach, deren Zentrum in der zum UNESCO Weltkulturerbe zählenden Kleinstadt Alberobello liegt. Aber auch außerhalb des Trulli-Zentrums begegnet man nahezu überall entlang der Straßen und Wege einzelnen Rundhäusern in sehr unterschiedlichem Zustand – vom verfallenen Steinhaus inmitten einer klein strukturierten Landwirtschaft, bis zum schicken, oft touristisch vermarkteten Wohn-/Apartmenthaus in und am Rande nahezu aller Ortschaften rund um Alberobello.

Aber auch abseits der Trulli-Metropole passieren wir heute eine Reihe sehenswerter Städte, die – eindeutig im Schatten von Alberobello – überall anders wahrhafte Highlights für touristisches Sightseeing wären, unter anderem Gioia del Colle, Noci, Locorotondo und Martina Franca. Ohne zu wissen, wie es zu anderen Jahreszeiten und an anderen Wochentagen (heute ist Sonntag) aussieht – wir sind außerhalb Alberobellos touristisch gesehen nahezu „allein“ unterwegs, während in den zentralen Gassen von Alberobello ein dichtes Gedränge herrscht. Entsprechend kurz ist unsere Runde durch das Zentrum, und auch die wechselnde Lichtstimmung (viele Wolken, nur vereinzelt blauer Himmel und Sonne) verführt nicht zu ausgedehnten Foto-Stopps.

Ansonsten führt uns die heutige Route über zahlreiche, schmale und völlig einsame (Rad-)Wege, über weite Strecken flankiert von den kunstvollen, in gleichschenkeliger Trapezform errichteten Trockensteinmauern, die landwirtschaftliche Flächen und Wege abgrenzen, trennen und schützen. Die kleinstrukturierte Landwirtschaft wir hier großgeschrieben. Oliven, Wein, Gemüse und Getreide … alles wird hier auf sehr überschaubaren Flächen, die über Jahrhunderte mühsam entsteint wurden, angebaut.

Unser Quartier (heute Apartment = früheres Abendessen :)) beziehen wir in Grottaglie, einer idyllischen Kleinstadt am Rande der Murgia, errichtet über zahlreichen Grotten, die vor Jahrhunderten als Zufluchtsstätten dienten, mit Fernsicht bis zum Mar Piccolo und Mar Grande der ca. 20 km entfernten Hafenstadt Tarent. Bekannt ist Grottaglie heute vor allem als Keramikmetropole – im bunten Zentrum reiht sich eine Keramikwerkstatt an die andere. Auch wir flanieren abends durch das atmosphärische Keramikviertel (Quartiere delle ceramiche), schauen, fotografieren und staunen.

Etappe 3

„Ab nach Lecce“, heißt es heute Morgen um 8:15 beim Checkout in Grottaglie. Bald darauf radeln wir der Sonne entgegen, über wiederum absolut sehenswerte Kleinstädte wie Francavilla Fontana, Oria und Mesagne … entlang und parallel zur wahrscheinlich berühmtesten und wichtigsten Handelsstraße, die Italien jemals hatte – der Via Appia, deren Baugeschichte bis ins Jahr 312 v. Chr. zurückreicht und deren Verlauf zwischen Rom und Brindisi sich bis heute (Strada Statale 7) wenig geändert hat.

Überschattet wird die heutige Etappe vom traurig-trostlosen Blick auf die abgestorbenen, grau-braunen Olivenhaine, die seit dem großen Olivenbaumsterben 2013, welches den Salento am stärksten getroffen hat, wie pflanzliche Ruinen die einstige Schönheit der Landschaft nur erahnen lassen. Abgesägte Äste liegen oft noch kreuz und quer zwischen den hölzernen Gerippen und die Natur scheint sich vielerorts diese einst so bedeutsamen Kulturflächen zurückzuholen. „Vendesi“ (zu verkaufen) steht an zahlreichen Tafeln am Rande von Gärten und verlassenen Höfen.

Nach ca. 80 km erreichen wir Lecce. „Florenz des Südens“ wird die eigentliche Hauptstadt des Salento gerne genannt – die zahlreichen Bauwerke im Stil des Lecceser Barocks locken Touristen aus aller Welt. Auch wenn Barock und Rokoko nicht unsere präferierten Stilrichtungen in der Architektur sind, bestaunen wir die kunstvollen Fassaden, allen voran jene der Basilika Santa Croce. Neben der vom cremefarbenen Kalkstein (Pietra Leccese) geprägten Architektur konzentrieren wir uns natürlich auch auf die kulinarischen (Streetfood) Highlights, die in Lecce lange Tradition haben: Rustico Leccese (Blätterteig gefüllt mit Bechamelsauce, Tomaten und Mozzarella), Pucce (gefüllte Fladenbrote), Panzarotti (gefüllte Teigtaschen „fritto“ oder „al forno“), Arancini (gefüllte Reisbällchen/sizilianisch), Pasticciotto (Mürbteig-Gebäck – das Original gefüllt mit Crema pasticcera – unbedingt warm genießen!), dazu ein Caffè Leccese (Eis-Kaffee mit Mandelmilch), … aber auch die in ganz Süditalien servierte Parmigiana (Lasagne-ähnlicher Tomaten-Melanzani-Auflauf) schafft es mehrmals auf unsere Teller, ebenso wie die hier allseits beliebten und servierten Käse-Delikatessen Stracciatella (Mozzarellafäden mit Obers/Sahne gemischt), Burrata (Mozzarella überwiegend aus Kuhmilch), Caciocavallo und Scamorza (beides Filata-Käse).

Insgesamt verbringen wir 4 Nächte in einem ruhigen, zentrumsnahen Apartment, wo wir unser Homeoffice einrichten und auch jeden Tag ausgedehnte Spaziergänge zu vorab recherchierten Sehenswürdigkeiten, Bäckereien und Restaurants unternehmen. Mittags holen wir uns meistens Delikatessen aus einer Bäckerei, die im Salento oft auch eine große Auswahl an leckeren, herzhaften Gerichten zum Mitnehmen offerieren: Parmigiana, Focaccia Barese, gebratene Peperoni, Polpette (Fleischbällchen in Tomatensauce), … Dennoch sind wir sehr froh, als es am Ende der Woche wieder weitergeht.

Etappe 4

Bereits um 6:58 starten wir heute unsere Etappe ans Meer, genauer gesagt an die Adria-Küste des Salento, der wir bis Otranto folgen werden, wo die gleichnamige Meerenge („Straße von Otranto“) Italien von der Balkanhalbinsel und die Adria vom Ionischen Meer trennt.

Erstmals ist es heute auch richtig warm beim Radeln in der Früh, sodass wir bald Ärmlinge/Beinlinge ablegen und endlich auf dieser Reise so richtig in den Genuss eines „verlängerten Sommers“ kommen.

Nach 20 km ist es soweit – wir stehen an einem hellen Sandstrand und blicken bis zum Horizont über die weite, blaue Adria. Kurz darauf blicken wir an der jetzt felsigen Küste auf das erste Highlight der salentinischen Küste: die Felsformation der „due sorelle“ (2 Schwestern), zu denen sich für ein Foto Hana als 3. gesellt.

Anschließend geht es über einen schmalen, lässigen Küsten-Trail (Cammino del Salento) zu den berühmten Faraglioni di Sant’Andrea sowie den Arco degli Innamorati, den wir um diese Jahreszeit bzw. um diese Uhrzeit ganz für uns allein haben.

Erst in der malerischen Küstenstadt Otranto ist etwas mehr los – kein Wunder, befindet sich hier einer der schönsten Adriastrände Italiens, den wir kennen. Und auch das kleine Zentrum mit den schmalen Fußgängerzonen, dem netten Hafen und den architektonischen Kostbarkeiten (u.a. das mächtige Castello Aragonese) machen durchaus Lust irgendwann für ein paar Tage wieder hierher zu kommen.

Doch heute wollen wir weiter – es folgt nämlich einer der schönsten (MTB) Abschnitte des Cammino del Salento entlang der Küste. Teils über grobsteinige Passagen, teils auf glatten Wiesen-Single-Trails genießt man hier (bei gutem Wetter) phantastische Blicke auf die wilde Küstenlandschaft und die unterschiedlichsten Blau-Töne des jetzt Ionischen Meers – hin zum östlichsten Punkt der Apenninenhalbinsel, den Faro di Punta Palascìa.

32 Meter ragt dieser weiße Leuchtturm in die Höhe. Ein gut fahrbarer Schotterweg führt von der SP87, welche die Steilküste hier entlang zieht, etwa 50 Höhenmeter hinab zu diesem ganz speziellen Ort. Auch wenn man heute am Horizont nicht bis zur gegenüberliegenden albanischen Küste blicken kann, spürt man die besondere Atmosphäre des östlichen Extrempunkts Italiens.

Weitere 30 km geht es heute noch für uns an der Küste entlang, vorbei an ein paar netten Küstenorten, wie z.B. Castro, an dessen Strand der Legende nach Aeneas am Weg von Troja nach Latium zwischengelandet sein soll. Unser Etappenzielort ist Marina Serra, wo wir uns beim sympathischen Agri Campeggio Salento D’Arare einquartieren. Zuvor machen wir einen kurzen Abstecher zur „Spiaggia e Piscina Naturale di Marina Serra“ – einem kleinen, spektakulären Meeres-Pool inmitten der felsigen Küste. Auch wir legen hier eine kurze Schwimmeinheit ein und genießen etwas Salz auf unserer Haut.

Etappe 5

Frühstück im Agriturismo Salento D’Arare  gibt es bereits um 7:30 Uhr, was nicht nur uns, sondern auch 3 Pilgerinnen freut, die heute die letzte Etappe der beiden Fernwanderwege „Cammino del Salento“ und „Via Francigena“ angehen. Über Letztere informiert die Website visit.puglia.it: „Die Via Francigena ist ein alter Pilgerweg, der in Canterbury in Großbritannien beginnt, Frankreich, die Schweiz und Italien durchquert und bis nach Apulien reicht. Die Via Francigena ist eine lange Route, die sich über Tausende von Kilometern erstreckt. Die Route endet in Santa Maria di Leuca, auch Finibus Terrae genannt, dem südlichsten Punkt Apuliens.“
Und auch für uns bedeutet heute Santa Maria di Leuca den südlichsten Punkt unserer Reise, bevor wir weiter entlang des Tarentinischen Meerbusens (Golf von Tarent) nordwestwärts ziehen.

Ein besonders schöner Abschnitt beginnt kurz nach Torre San Giovanni. Hier schlängelt sich der Rad-Fußweg über einige Kilometer direkt an der Küste entlang – stets mit großartigem Blick auf das tiefblaue Meer und die an die Felsen und Buchten klatschenden Wellen.

Nach 70 km erreichen wir die Hafenstadt Gallipoli, deren Altstadt malerisch auf einer Felseninsel liegt – mit dem Festland über eine Brücke verbunden. Schon ein wenig müde drehen wir nur eine kurze Runde durch die Altstadt und rasten in einer kleinen Bar, in der wir uns noch ein letztes Mal mit ein paar salentinischen Streetfood-Klassikern stärken.

Auf den letzten 40 Kilometern nach Torre Lapillo – unserem nächsten Etappenort – stellt sich in uns langsam aber doch eine gewisse Küsten-Sättigung/-Ermüdung ein … so schön einige Abschnitte auch sein mögen, unsere persönlichen Highlights endeten gefühlt spätestens in Gallipoli. Umso mehr sehen wir das heutige Etappenende herbei und verkriechen uns dann auch abends in unserem vorab gebuchten Apartment, kochen wieder einmal etwas „Gesundes“, genießen den Sonnenuntergang vom Balkon aus und gehen früh zu Bett.

Unsere Route:

1.001 km / 10.260 hm

Etappen auf Strava:

Etappe 01 (6:38:29 | 126,99 km | 1.219 m)
Etappe 02 (5:49:26 | 102,53 km | 843 m)
Etappe 03 (4:33:06 | 84,98 km | 188 m)
Etappe 04 (5:43:53 | 95,60 km | 648 m)
Etappe 05 (6:02:10 | 111,11 km | 472 m)
Etappe 06 (5:12:30 | 90,48 km | 332 m)
Etappe 07 (6:01:23 | 92,08 km | 1.139 m)
Etappe 08 (6:23:05 | 104,58 km | 1.803 m)
Etappe 09 (6:11:53 | 88,93 km | 2.126 m)
Etappe 10 (6:18:02 | 104,57 km | 1.490 m)