Umbrien 03:
Lago di Trasimeno – Lago di Bolsena

Nach einem kleinen Frühstück bei Sonnenaufgang am See verlassen wir den Campingplatz Listro während alles um uns herum noch sehr ruhig und verschlafen wirkt. Die ersten Meter entlang am See begleitet uns eine einsame, leicht mystische Frühmorgen-Nebelstimmung. Danach geht es recht langweilig und teils verkehrsreich weiter nach Cittá della Pieve, einer entzückenden, auf einem Hügel liegenden mittelalterlichen Stadt, die großteils aus Ziegelbauten besteht. Cittá della Pieve ist Mitglied der Cittàslow, einer 1999 in Italien gegründeten Bewegung zur Entschleunigung und Erhöhung der Lebensqualität in Städten. Wir lassen uns am Hauptplatz in einer sehr netten Bar/Bäckerei nieder und genießen in Folge zusammen drei Café und mehrere Dolce. Die junge Kellnerin kommuniziert mit uns sehr stolz ein paar Sätze auf Deutsch – wir kontern mit unseren spärlichen Italienisch-Kenntnissen und freuen uns sichtlich alle über ein wenig Smalltalk.

einsam und ruhig am Ufer des Lago di Trasimeno

Gut gestärkt geht es dann weiter – einige Höhenmeter bergab nach Ponticelli und anschließend auf einer wieder einmal sehr einsamen Seitenstraße über Palazzone zum 3-Regionen-Eck Umbrien-Toskana-Latium im sehr hügeligen „Riserva naturale Monte Rufeno“. Mangels Einkehrmöglichkeiten rasten wir bei einem idyllischen Picknick-Platz am Waldesrand, bevor es gut 200 Höhenmeter abwärts nach Allerona geht, einem kleinen aber offensichtlich durchaus geschichtsträchtigen Ort, durch den etwa die alte Römerstraße „Via Cassia“ von Rom in die Toskana führte. Wir fahren durch das eindrucksvolle Stadttor „Porta del Sole“ und drehen eine Runde durch das enge Gassenwerk des winzigen Zentrums. Menschen begegnen wir hier kaum – alles wirkt ziemlich verlassen und ruhig. Eine Bar oder ein Ristorante suchen wir wieder einmal vergebens.

Probleme mit der Kamera - deshalb nur kleine Impressionen vom Weg nach Allerona

Anders in der nächsten Stadt die wir erreichen: Orvieto. Von weitem sichtbar thront die Altstadt auf einem erdbraunen Plateau aus Tuffstein, das von zahlreichen Grotten, Gängen und Kellern durchzogen ist. Orvieto entwickelte sich nicht zuletzt dank seiner strategisch günstigen Lage früh zu einer reichen Handwerker- und Handelsstadt, die im Mittelalter sogar zeitweise Residenz der Päpste war. Hauptattraktion ist nicht zu Unrecht der Dom von Orvieto, an dem 3 Jahrhunderte gewerkt wurde – er gilt allseits als absolutes Meisterwerk gotischer Architektur.
Wir kurbeln die direkte Steilrampe vom Paglia-Tal ins Zentrum empor (gefühlt 30%), suchen uns ein nettes Ristorante, wo wir herrliche Pasta mit Salbei sowie Gnocchi mit Pistazien speisen, und drehen anschließend ein paar Runden durch die schmalen Gassen bis zur Piazza del Duomo, wo wir staunend ob der gewaltigen Dimension des Zebra-gestreiften Doms mit seiner mächtigen Fassade einige Fotos knipsen.

Es fällt uns nicht leicht weiter zu fahren, vor allem weil es dann gleich wieder ungemein steil bergab und bergauf geht – über Porano nach Torre San Severo … den Abschnitt von Orvieto bis Bolsena hatten wir zeitmäßig etwas unterschätzt und wir merken erstmals eine leise Unlust und Kraftlosigkeit, die sich bei jedem unerwarteten Zusatz-Anstieg natürlich verschärft. Insofern freuen wir uns tierisch über die erlösende Abfahrt nach Bolsena mit Blick über den zweitgrößten See Mittelitaliens.

In der Abenddämmerung schlagen wir unser Zelt am Campingplatz „Internazional Il Lago“ auf und fahren dann abends nochmals mit den Rädern vom See in die Stadt Altstadt hoch. Dort picknicken wir auf einer Piazza, beobachten ein wenig das bunte Treiben und lassen den Abend anschließend nett in einer Bar ausklingen.

Etappendaten: 110km – 2.250hm

GPS-Track zur gesamten Tour

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